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Juden in Rommerskirchen



Wann sich die ersten Juden hier niedergelassen haben, ist nicht eindeutig festzustellen. Die Quellenlage gibt für das Mittelalter und die frühe Neuzeit nur bruchstückhaft Auskunft über jüdisches Leben in unseren Dörfern.
Der zur Zeit bekannte früheste schriftlich überlieferte Hinweis auf Juden in unserem Raum stammt aus dem Jahre 1350. Es handelt sich hierbei um eine Urkunde, in der der Verkauf eines Hofes in Butzheim mitsamt 14 Morgen Land, wovon zweieinhalb Morgen „beim Judenpat bei der Broychstraissen von Boytzheim“ an das Kölner Kunibertstift, dokumentiert ist.
Mit hoher Wahrscheinlichkeit wurde der Weg, der von Butzheim inde sogenannten Butzheimer Bruch führte als „Judenpat“ bezeichnet, da er zum Begräbnisplatz der hier ansässigen Juden führte. Ferner hat im 18. Jahrhundert nachweislich am heutigen Bruchrandweg im Butzheimer Bruch ein jüdischer Friedhof existiert, auf den eben dieser „Judenpat“ zuläuft. Die Existenz eines Judenfriedhofes ist nur dann denkbar, wenn hier zu dieser Zeit, also bereits im 14. Jahrhundert, Juden gewohnt haben, die dort ihre letzte Ruhe fanden. Wenn der Begriff „Judenpat“ im Volksmund existierte, so muss dieser Weg schon etliche Jahre und besonders häufig von Juden benutzt worden sein. Es ist davon auszugehen, dass etwa um 1330, also bereits vor der Vertreibung der Juden aus der Stadt Köln im Jahre 1424, Juden im Raum Nettesheim-Butzheim gelebt haben.

Der erste schriftliche Beleg mit konkretem Bezug auf einen Juden am Gillbach („Jude von Nettesheim“) stammt aus dem Jahr 1475.
Mit dem Jahr 1685 beginnt ein mehr oder weniger lückenloser Nachweis für Juden am Gillbach in Akten des kurkölnischen Amtes Hülchrath.

In den während der napoleonischen Zeit von 1799 bis 1803 angefertigten Einwohnerlisten sind neben Namen, Berufen und Alter auch Angaben gemacht, wie lange die Genannten bereits am Ort lebten. Diesen Listen folgend sind jüdische Familien spätestens seit 1685 in Nettesheim-Butzheim kontinuierlich ansässig.

Von Juden in den Dörfern der früheren Bürgermeisterei Rommerskirchen hören wir erstmals 1765. Nach den bisherigen Kenntnissen ließen sich hier jüdische Familien dauerhaft erst Ende des 18. Jahrhunderts nieder.

Orientiert man sich an den Verwaltungseinheiten des 19. Jahrhundert im Bereich der heutigen Gemeinde Rommerskirchen, so kann man zusammenfassend sagen, dass die Juden in den Dörfern der Bürgermeisterei Nettesheim bereits seit dem späten Mittelalter zu den kontinuierlich hier lebenden Einwohnern zählten, wogegen dies in der Gemeinde Rommerskirchen erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts festzustellen ist. Die Bürgermeisterei Evinghoven zog nach 1800 nur vereinzelt und vorübergehend Juden an. Gründe für die unterschiedliche Besiedlung der Dörfer am Gillbach durch Juden waren nicht zu erkennen.

 Verfolgungen in der Nazi-Zeit

Die Judenverfolgungen in Deutschland in den Jahren 1933 bis 1945 wirkten sich auch in den Dörfern am Gillbach aus. Es ist schwer zu rekonstruieren, was sich hier im Einzelnen zugetragen hat. Die Akten, Schul- und andere Chroniken etc. sind gerade in Sachen „Drittes Reich“ und Juden nur bruchstückhaft überliefert, da sie teilweise durch Bomben und Kriegseinwirkungen, teilweise aber wohl auch vorsätzlich und systematisch zerstört wurden oder bisher noch nicht aufgefunden werden konnten.

Die „Reichskristallnacht“ am 09./10. November 1938 wirkte sich im Kreis Neuss ebenso wie auch in den Dörfern am Gillbach aus.

Die Synagoge in Rommerskirchen an der Giller Straße – ein Fachwerkhaus aus dem 19. Jahrhundert und daher leicht brennbar – ist in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 vollständig abgebrannt.
Die Synagoge in Nettesheim am Lommertzweg war in einem ehemaligen Wohnhaus aus Stein eingerichtet und blieb als Gebäude weitgehend verschont und erhalten. Das Haus diente später etliche Jahre als Geräteschuppen, wurde nach dem Krieg umgebaut und wird wieder als Wohnhaus benutzt.

Aktenberichten zufolge gab es vom 9. auf den 10. November 1938 ebenfalls Zerstörungen in jüdischen Wohnungen am Gillbach. Zeitzeugen berichten auch von zerstörten Möbeln und zerschlagenem Hausrat auf der Straße vor den Häusern der Juden auf dem Marktplatz in Rommerskirchen wie auch auf der damaligen Kirchstraße in Nettesheim.

Nach den bisherigen Ermittlungen sind mindestens 38 jüdische Mitbürger, die am Gillbach geboren waren bzw. durch Heirat hier eine neue Heimat gefunden hatten, bei den Verfolgungen durch das Nazi-Regime ermordet worden bzw. auf den unmenschlichen Transporten und in den Gefängnissen umgekommen. Hinter jedem der bekannten 38 Namen verbirgt sich unbeschreibliches Leid, das von Deutschen anderen Deutschen zugefügt wurde, weil sie einem anderen Glauben angehörten bzw. nicht der „Rassenideologie“ der Herrschenden entsprachen.
Ob mit den bekannten Namen alle Opfer der jüdischen Familien vom Gillbach erfasst worden sind, ist zweifelhaft; bei vielen ist bisher kein Nachweis über deren Verbleib erbracht.

  


Quelle: „Jüdische Familien am Gillbach“, -Herkunft und Schicksal- 
             Autor: Josef Schmitz 
             Herausgeber: Gemeinde Rommerskirchen
             Beiträge zur Geschichte der Gemeinde Rommerskirchen,  Bd. III, 
             ISBN 3-926963-43-3