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Der Steinsarg aus Rommerskirchen



Sarkophag aus Rommerskirchen. ( Foto: M. Hundt)
Sarkophag aus Rommerskirchen. (Foto: M. Hundt)

Der Steinsarg aus rötlichem Sandstein hatte ursprünglich einen Sargdeckel aus weißem Kalkstein. Der Deckel war mit zwei Eisenklammern am Trog befestigt worden. Da die Klammern nicht mit Blei vergossen waren, wurden sie vor dem Einsetzen vermutlich erhitzt und heiß eingesetzt.
Beim Abkühlen zogen sie sich zusammen und hielten den Deckel unter Spannung auf dem Trog. Diese hatte sich bis heute erhalten.
Da der Deckel nicht genau den Trog abdeckte, war dieser  bis zur Hälfte des Innenraums zugeschlämmt worden.
Zunächst wurde die Oberfläche des Sarginneren dokumentiert. Auf ihr lagen fünf Glasflaschen, die ihre Lage immer dann verändert hatten, wenn der Sarg voll Wasser gelaufen war. Über dem Sargboden befand sich eine zwischen 10 und 20 cm starke Schicht von im Laufe der Jahrhunderte eingeschwemmten Löß und Lehm.
Besonders der Löß erschwerte die Bergung der Beigaben, da meist nicht erkennbar war, wo die Objekte lagen. Der Abtrag erfolgte sowohl mit Kellen als auch mit einem Industriestaubsauger. Das geborgene Löß-/Lehmmaterial wurde anschließend geschlämmt. Die Ausgrabung des Sarges nahm etwa drei Wochen in Anspruch.

Bei der Brandbestattung handelt es sich um die sterblichen Überreste einer erwachsenen Frau. Sie war auf einem Scheiterhaufen verbrannt worden. Die Asche des Scheiterhaufens wurde auf dem Boden des Sarges, über einer Pflanzeneinstreu verteilt. Der Sargtrog befand sich zu diesem Zeitpunkt schon in der Erde. Die Knochenreste konnten so langsam ausglühen. Hierauf weist die ungewöhnliche Größe des erhaltenen Knochenmaterials hin. Diese sterblichen Überreste wurden anschließend in ein Goldbrokattuch eingeschlagen und niedergelegt.
Über Beigaben informiert Sie das Informationsblatt mit den Umrisszeichnungen der Grabinhalte.

Beigaben im Sarkophag nach der Restaurierung. (Foto: M. Hundt)
Beigaben im Sarkophag nach der Restaurierung. (Foto: M. Hundt)

In zwei Ecken des Sarges waren sogenannte Merkur-Flaschen aufgestellt, so benannt nach einem im Boden angebrachten Stempel mit einer Darstellung des Gottes Merkur mit Widder und Hahn und vier Buchstaben CMHR in den Ecken, dem Herstellerzeichen. Es handelt sich um kastenförmige Flaschen mit einem langen Hals, die zur Salbölaufbewahrung dienten. In der dritten Sargecke befand sich eine Parfümflasche; in der vierten Sargecke ein kleines Marmortischchen mit einem konischen Glasbecher. Neben diesem Tischchen standen ein gläserner Kerzenleuchter, drei Flaschen mit Delphinhandhaben sowie eine ungenutzte Tonlampe. Zusätzlich stand hier auch ein flacher Glasteller und ein gläserner sog. Hemmorer Eimer sowie ein Terra-Sigillataschälchen. Neben einem eisernen Klappmesser lag eine dritte Merkurflasche. Eine langgezogene Parfümflasche konnte nur stark zerstört geborgen werden. Daneben lag eine Knochenspindel.
Auf der anderen Seite des Leichenbrandes waren die Schmuckgegenstände der Verstorbenen deponiert: eine silberne Totenspindel, Knochenhaarnadeln, die zum Teil vergoldet waren, Ketten mit Glas- und Halbedelsteinperlen und ein Haarnetz. Das Haarnetz bestand aus einem seidenen Stirnband, das mit Süßwasserperlen und vergoldeten Bronzeplättchen verziert war. Die Maschen  des Netzes wurden durch vergoldete Bronzeröhrchen zusammengehalten.

Nach der Datierung des Terra-Sigillataschälchens erfolgte die Bestattung um die Mitte des 3. Jahrhunderts n. Chr.