Spuren kostbarer Gewebe



Kostbarste, mit Gold durchwirkte Gewebe, gehören wie Schmuck, Glas und Objekte aus Bein zu den repräsentativen Luxusgegenständen, die als Zeichen des Reichtums den Verstorbenen in den Sarg gelegt wurden. Als organische Materialien haben Fasern jedoch kaum eine Erhaltungschance.

Untersuchungsmethoden
Textile Reste aus archäologischem Kontext können in der Regel mit bloßem Auge nicht mehr erkannt werden. Zur ‚Spurensicherung’ dient die auflichtmikroskopische Untersuchung. Faserreste werden anschließend lichtmikroskopisch auf die verarbeitete Faserart hin untersucht. Bei stark abgebauten Fasern werden die einzelnen Proben direkt bei 200-5000-facher Vergrößerung unter dem Rasterelektronenmikroskop betrachtet.

Metallfäden
Antike Metallfäden sind fast ausschließlich aus feinsten Streifen von Goldfolie geschnitten und um einen Kernfaden (Seele) gesponnen. Material und Art der Wickelung liefern wichtige Hinweise auf die Provenienz der Goldfäden. Die Untersuchung der Technik und der Materialzusammensetzung erfolgt mit dem Rasterelektronenmikroskop und der Elementanalyse. Aufschlussreich können auch Röntgenaufnahmen von der eigentlichen Bearbeitung sein.

Ergebnisse
An den textilen Resten aus Rommerskirchen lassen sich folgende Bestandteile nachweisen:

  • vermutlich zwei Sorten unterschiedlich feiner Goldfäden in Z-Richtung um einen dunkelblauen Kernfaden (Wolle?) gewickelt
  • Fragmente eines schmalen Zierstreifens (?) in Wirktechnik
  • Fragmente von hauchdünner Goldfolie, die teilweise Abdrücke einer textilen (?) Gitterstruktur aufweisen.
  • Reste eines braun verfärbten leinwandbindigen Gewebes mit Rippenstruktur
  • vereinzelte dunkelblaue, sehr feine Wollfasern

Die Befunde ergeben ein Bild, das sich in dasjenige spätkaiserzeitlicher Goldgewebe (Weilerswist, Naintè) nahtlos einfügt. Danach lag im Sarg vermutlich ein Tuch oder Kleid, das vollständig oder partienweise verziert war mit einem goldenen Muster in Wirktechnik, vermutlich von dunkelblauem Hintergrund. Außergewöhnlich sind die Reste von Blattgold, deren Funktion noch näher untersucht werden muss, da es sich nicht um Applikationen von der Art wie die späteren Goldblattkreuze handeln kann.