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Unberaubte römische Sarkophage geborgen



Der Neubau einer Umgehungsstraße südlich von Rommerskirchen führte im Spätsommer des Jahres 2005 zur Aufdeckung einer römischen Grabgruppe. Sie gehörten zu einer größeren römischen Trümmerstätte, die sich auf dem Osthang des Gillbachtales befand - den Überresten eines römischen Gutshofes (villa rustica) aus der Zeit des späten 1. bis Mitte 5. Jahrhunderts n. Chr.

Gefunden wurden ein bustum (Brandgrab), ein Körpergrab und zwei Särge. Die beiden Särge, ein Bleisarg und ein Steinsarg, wurden ungeöffnet geborgen und in die Werkstatt des Rheinischen LandesMuseums Bonn gebracht.

Die Grabung führte die Grabungsfirma Wurzel, Archäologie und Umwelttechnik durch; die Öffnung und Untersuchung der beiden Särge geschah in Zusammenarbeit mit der Außenstelle Overath des Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege und der Werkstatt des Rheinischen LandesMuseums Bonn mit Unterstützung der Kollegen von der Archäobotanik (Universität Köln) und der Textilkunde (Fachhochschule Köln).

Im Bleisarg hatte man das Skelett eines Mannes beerdigt, im Steinsarg lag die Brandbestattung einer Frau. Brandbestattungen waren in der Mitte des 3. Jahrhunderts im Rheinland nicht ungewöhnlich. Allerdings setzte sich seit dem letzten Drittel des 2. Jahrhunderts bei der provinzialrömischen Bevölkerung im Rheinland die Körperbestattung anstelle der Brandbestattung durch. Aufwendige Brandbestattungen wurden in steinernen Urnen, sog. Aschen- kisten, durchgeführt. Anscheinend wurden seit dem zweiten Drittel des 3. Jahrhunderts von den Steinmetzen keine Aschenkisten mehr hergestellt. So mussten jetzt hierfür Stein- oder Holzsärge genutzt werden. An den Rommerskirchener Gräbern, die fast zeitgleich in den Boden gelangten, zeigt sich deutlich die Veränderung der Begräbnissitten. Während die Frau noch nach dem alten Ritus bestattet werden wollte, wurde beim Mann die neue Begräbnissitte vorgezogen.