Rommerskirchen, Nettesheim-Butzheim Teilausgrabung eines römischen Gutshofes.



Die römischen Gutshöfe am Gillbach

Wie müssen wir uns die Gutshöfe in Niedergermanien zur römischen Kaiserzeit vorstellen?

Siedlungsorte wie wir sie heute kennen bestanden im ländlichen Raum zwischen Köln und Neuss wohl nicht. Wir müssen daher weitgehend von isoliert gelegenen Einzelgehöften ausgehen, die in einem Abstand von 1000 bis 2000 Metern von einander angeordnet waren. Ein einheitliches Limitationsnetz wie wir es z. B. aus Südfrankreich kennen wird in unserer Region ebenso nicht bestanden haben. Vielmehr wird man sich bei der Grundstückseinteilung an die natürlichen Gegebenheiten wie Bachläufe, Geländeerhöhungen, Feldraine und Verkehrswege orientiert haben. Wichtig für eine Ansiedlung waren in erster Linie gute Böden für die landwirtschaftliche Nutzung, eine günstige Verkehrsanbindung und gute Versorgung mit Trinkwasser aus kleinen Bächen oder gesondert angelegten Brunnen.
Die parzellierten Grundstücke waren meist von einer Hecke oder einem Graben umgeben. Eine Gutsanlage bestand in der Regel aus dem Haupthaus und einigen Wirtschaftsgebäuden, wie Scheunen für die Viehhaltung. Mehrere Gutsanlagen wurden in den letzten Jahren im Braunkohletagebau des Hambacher Forstes ausgegraben. In Rommerskirchen konnten bisher nur Gutshöfe durch partielle Ausgrabungen untersucht werden und zwar die Villa rustica von Nettesheim-Butzheim (1987) und der Gutshof von Evinghoven (2003), der von der Mitte des ersten bis zur zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts bewirtschaftet war.

Das Haupthaus einer Gutsanlage betand aus einer mit Säulen gestützten Veranda und vorspringenden Eckbauten (Risalite). Daran schloss sich meist eine große überdachte Halle mit umlaufenden Räumen der unterschiedlichsten Nutzung an. So befand sich in einem nördlichen Raum der Villa rustica in Nettesheim-Butzheim ein kleines Bad.

(Abbildung und Hausrekonstruktion aus der Publikation das Erbe der Römer am Gillbach).



Ergebnisse der Grabung in Nettesheim-Butzheim am Lommertzhof/Ecke Wykgasse.

1987 wurde anlässlich der 1000-Jahr-Feier der Ortschaft Nettesheim-Butzheim das Wohnhaus eines  römischen Bauernhofes (lat. villa rustica) ausgegraben.
Das Gebäude wurde um 100 n. Chr. erbaut und bestand – mehrfach umgebaut – etwa 175 Jahre lang.

Das zweistöckige Haus enthielt einen großen Hauptraum mit Küche (6), Nebenräume (3, 4, 9, 13,), Treppenhäuser (2,8), einen Säulengang (lat. porticus) (5), Eckrisaliten (turmähnliche Vorbauten (1,7) und ein Bad mit Heiß- (10), Warm- (11) und Kaltbaderaum (12).

Von dem Bauwerk war vermutlich nur der Sockel massiv gemauert, die Wände bestanden aus Fachwerk und das Dach war mit Ziegeln gedeckt.
Die Räume waren teilweise mit Wandmalereien ausgeschmückt; im Bad gab es Marmor- und Stuckverkleidungen.

Nebengebäude (Scheunen, Stallungen u. ä.) wurden bisher nicht entdeckt, waren mit Sicherheit aber vorhanden.

Über die Bewohner ist nichts bekannt, es ist jedoch denkbar, dass der erste Besitzer ein Veteran der römischen Armee war, der das Gehöft dann seinen Erben vermachte.

Funde aus der Villa sind im Kreislandwirtschaftsmuseum in Rommerskirchen-Sinsteden ausgestellt.

Luftbild der"villa rustica" in Nettesheim-Butzheim (Zustand vor der Ausgrabung 1987). (Foto: RAB, Zantopp)
Luftbild der "villa rustica" in Nettesheim-Butzheim (Zustand vor der Ausgrabung 1987). (Foto: RAB, Zantopp)


Grundriss der "villa rustica" von Nettesheim-Butzheim nach der Ausgrabung. (Foto: M. Hundt)
Grundriss der "villa rustica" von Nettesheim-Butzheim nach der Ausgrabung. (Foto: M. Hundt)


Grundriss (Bauzustand etwa von 150-200 n. Chr.) (Phase II b = 2. Steinbauphase)
Grundriss (Bauzustand etwa von 150-200 n. Chr.) (Phase II b = 2. Steinbauphase)
Ansicht der Vorderfront (Rekonstruktion des Bauzustandes von etwa 150 bis etwa 260 n. Chr.)
Ansicht der Vorderfront (Rekonstruktion des Bauzustandes von etwa 150 bis etwa 260 n. Chr.)


Rekonstruktion des römischen Gutshofes von Nettesheim-Butzheim. (Foto: M. Hundt)
Rekonstruktion des römischen Gutshofes von Nettesheim-Butzheim. (Foto: M. Hundt)



Literaturhinweis:

Ursula Meier-Weber, "Ein römischer Gutshof am Gillbach. Die "villa rustica" von Rommerskirchen-Nettesheim-Butzheim". (=Schriftenreihe des Kreises Neuss, Nr. 15); Dormagen 1988;
Erhältlich bei der Gemeinde Rommerskirchen, Rathaus, Zimmer 1.05, Bahnstr. 51, 41569 Rommerskirchen.