Rommerskirchen-Eckum



Grabbeigaben aus dem Brandgrab Nr. 4 aus dem Gräberfeld in Rommerskirchen-Eckum. (Foto: M. Hundt)
Grabbeigaben aus dem Brandgrab Nr. 4 aus dem Gräberfeld in Rommerskirchen-Eckum. (Foto: M. Hundt)

Der ehrenamtliche Mitarbeiter des Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege Bonn, M. Hundt, Rommerskirchen, entdeckte im Juli 2003 in einer Baugrube in Rommerskirchen, Rosenweg, bei der Anlegung eines Regenrückhaltebeckens durch den Erftverband unnatürliche Bodenverfärbungen. Nach der Meldung an die Außenstelle Overath wurde festgestellt, dass es sich um die Überreste von Gräbern handelt. Es konnten vier Bestattungen aus der Baugrube geborgen werden.

Herausragend war dabei das Grab Nr. 4. Es enthielt als Grabbeigaben einen Einhenkelkrug aus Weisston, einen Terra-Sigillata-Teller, Typ Dragendorff 18/31 mit Stempel, eine sehr seltene sog. Zirkusflasche aus grünem Glas sowie die Überreste eines Holzkästchens mit Beschlag, in dem der Leichenbrand enthalten war. Alle Teile sind komplett erhalten.

Der Glaskrug stellt sicherlich eine Sonderanfertigung dar, da sich diese Zirkusdarstellung normalerweise nur auf kleinen Bechern befindet. Aufgrund der Beigaben lässt sich das Grab an das Ende des 1. Jahrhundert datieren.
Dieser für das Rheinland seltene Grabfund wurde auch in der Ausstellung "VON ANFANG AN, Archäologie in Nordrhein-Westfalen" im Römisch-Germanischen Museum der Stadt Köln vom 13. März bis 28. August 2005 gezeigt.

Die Grabungsarbeiten wurden durch die Grabungsfirma M. Wurzel Archäologie und Umwelttechnik GmbH Jülich unter der Leitung von Th. Ibeling fortgesetzt. So konnte ein römisches Gräberfeld mit insgesamt 16 Bestattungen untersucht werden.


Leichenbrand im Kästchen



Thomas Becker

Rheinisches Amt für Bodendenkmalpflege Bonn, Außenstelle Overath.

Nicht jede Fundstelle präsentiert sich heute an der Geländeoberfläche, z. B. durch aufgeworfene Funde oder Bewuchsmerkmale im Luftbild. Hier ist die Denkmalpflege auf Aufschlüsse angewiesen, die jedoch gleichzeitig auch die Zerstörung der Substanz bedeuten.

So geschehen in Rommerskirchen, Rhein-Kreis Neuss, wo das geschulte Auge eines ehrenamtlichen Mitarbeiters der Bodendenkmalpflege in der Grubenwand eines Regenrückhaltebeckens die Reste von römischen Gräbern entdeckte.

Die kurzfristig anberaumte Untersuchung zeigte sehr schnell, dass hier ein Friedhof mit mehreren Gräbern angeschnitten wurde, wobei sicherlich einige Bestattungen bei den Baggerarbeiten schon verloren gingen.

Insgesamt vier Gräber konnten zunächst geborgen werden. Der durch die Baumaßnahme weiter bedrohte Teil soll zu einem späteren Zeitpunkt untersucht werden. Drei einfache Brandgräber enthielten neben der Urne als Leichenbrandbehältnis kaum Beigaben. Umso interessanter war dafür das vierte Grab, dessen Beigaben sich deutlich von denen der anderen Bestattungen abhoben: ein Sigillata-Teller, ein Einhenkelkrug sowie ein kleiner Glaskrug als Geschirrausstattung. Das Glasgefäß zierte eine Wagenrennen-Darstellung, wie sie üblicherweise auf Trinkbechern, den sogenannten Zirkusbechern, zu finden ist. Es kann folglich davon ausgegangen werden, dass es sich hierbei um eine Einzelanfertigung für den Besitzer handelte. Dessen sterbliche Überreste wurden in einem aufwendig gearbeiteten Kästchen im Grab beigesetzt. Verziert war dieses mit Ringgriffen und Bronzenieten, vom funktionellen Teil des Kästchens konnten noch Schlossblech, Verschlussfalle und wohl auch Scharniere geborgen werden. Der Schlüssel lag auf dem Mundloch des Schlossbleches für den Verstorbenen drapiert. Folglich muss der Leichenbrand nach der Verbrennung im Kästchen gesammelt, dieses abgeschlossen und in die Grabgrube gelegt worden sein. Die vollständigen Beigaben einschließlich des Schlüssels unterstreichen die Vorstellung, dass die Verstorbenen die Beigaben im Jenseits weiterbenutzten. Dass Ensemble der vier Gräber datiert an das Ende des 1. Jh. n. Chr. Hier lässt sich nicht nur die ländliche Bevölkerung dieser Zeit selbst fassen. Auch deren sozialer Status kann anhand der mitgegebenen Menge von Grabbeigaben für das Leben im Jenseits nachvollzogen werden.

Glaskrug mit Wagenrennen-Darstellung. (Foto: M. Hundt)
Glaskrug mit Wagenrennen-Darstellung. (Foto: M. Hundt)
Bronzene Überreste eines Kästchens in dem der Leichenbrand gesammelt wurde. (Foto: M. Hundt)
Bronzene Überreste eines Kästchens in dem der Leichenbrand gesammelt wurde. (Foto: M. Hundt)

Ein römisches Gräberfeld in Rommerskirchen



Thomas Becker
Thomas Ibeling

Das Gebiet der Gemeinde Rommerskirchen ist aus Sicht der Bodendenkmalpflege ein interessantes Gebiet, da es durch die günstige Lage in der Lößlandschaft über Jahrtausende besiedelt war.

Abb. 1: Erster Hinweis auf ein Brandgrab in der Wand des Regenrückhaltebeckens in Rommerskirchen-Eckum. (Foto: M.Hundt)
Abb. 1: Erster Hinweis auf ein Brandgrab in der Wand des Regenrückhaltebeckens in Rommerskirchen-Eckum. (Foto: M.Hundt)

So besteht bei fast jeder Baumaßnahme Gefahr, dass archäologische Befunde bedroht werden. Durch eine aktive Bauleitplanung kann diese Gefahr für die bekannten Bodendenkmäler gesteuert werden, doch kann bei Bodeneingriffen bisher Unbekanntes angeschnitten und oft unbeobachtet zerstört werden. Die staatliche Bodendenkmalpflege ist leider personell nicht in der Lage, alle Baumaßnahmen zu überwachen, so dass sie hier auf die ehrenamtliche Mitarbeit von archäologisch Interessierten angewiesen ist. Das folgende Beispiel, zeigt wie wichtig diese Unterstützung für die Kenntnis und Sicherung archäologischer Relikte ist.

Als im Juli 2003 der Erftverband im Auftrage der Gemeinde die Sanierung des Gillbaches im Ortsbereich von Rommerskirchen vornahm, wurde die Errichtung eines Regenrückhaltebeckens von Herrn M. Hundt, einem ehrenamtlichen Mitarbeiter der Außenstelle Overath, überwacht. Dieser meldete mehrere Verfärbungen, die sich bei einer Begutachtung sehr schnell als Reste von Brandgräbern herausstellten. Bei einer anschließenden Notbergung konnten von der Außenstelle Overath vier Gräber dokumentiert werden, wobei sehr schnell klar war, dass diese nur einen kleinen Ausschnitt des Gräberfeldes repräsentierten. Die Grabung setzte dann die Firma M. Wurzel Archäologie fort, die weitere zwölf Gräber dokumentieren konnte (Abb. 1-2).

Die vier von der Außenstelle Overath geborgenen Gräber (St. 2-5) lagen relativ eng beieinander am südwestlichen Rand des Regenrückhaltebeckens. Von den Bestattungen waren drei relativ einfach ausgestattet – es handelte sich um zwei Urnengräber und eine Bustumbestattung. Die wenigen Beigaben deuten eine Niederlegung im letzten Drittel des 1. Jahrhunderts an, wobei das bustum wahrscheinlich erst zu Beginn des 2. Jahrhunderts angelegt wurde. Herausragend dagegen war die Bestattung St. 4. In einer großen Grabgrube fanden sich mehrere Beigaben deponiert (Abb. 5). Neben einem Terra-sigillata-Teller und einem Einhenkelkrug befanden sich in dem Grab vor allem ein Glasgefäß und eine Ansammlung von Metallgegenständen. Das Glasgefäß stellte sich überraschenderweise als ein kleiner Krug mit einer aufgepressten Wagenrennenszene dar. Solche Darstellungen kommen bisher fast ausnahmslos auf Becherformen vor, so dass es sich bei diesem Stück um ein Unikat handelt. Die Metallgegenstände konnten als Bestandteile eines Holzkästchens identifiziert werden. Vergleichsfunde zeigen, dass solche Kästchen mit hängenden Ringen verziert und durch ein kompliziertes Schlosssystem verschlossen waren. Man hatte die Überreste des Toten im Kästchen deponiert, das Kästchen verschlossen und ins Grab gelegt. Der Schlüssel wurde auf dem Schlüsselloch drapiert, damit der Tote im Jenseits das Behältnis weiterverwenden konnte. Die exzeptionellen Beigaben des aufwendigen Kästchens und des singulären Glaskruges sprechen für einen gewissen Reichtum des Bestatteten (Abb. 6).

Abb. 2: Befund im Planum des Regenrückhaltebeckens vor der archäologischen Untersuchung. (Foto: M. Hundt)
Abb. 2: Befund im Planum des Regenrückhaltebeckens vor der archäologischen Untersuchung. (Foto: M. Hundt)
Abb. 3: Bergung eines Urnengrabes durch die Außenstelle Overath des Rheinischen Amtes f. Bodendenkmalpflege. (Foto: M. Hundt)
Abb. 3: Bergung eines Urnengrabes durch die Außenstelle Overath des Rheinischen Amtes f. Bodendenkmalpflege. (Foto: M. Hundt)
Abb. 4: Bergung eines Urnengrabes durch die Außenstelle Overath des Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege. (Foto: M. Hundt)
Abb. 4: Bergung eines Urnengrabes durch die Außenstelle Overath des Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege. (Foto: M. Hundt)

Bei den Untersuchungen im Zuge der Nachfolgemaßnahmen durch die Fachfirma wurde zunächst die westliche Uferlinie einer mittig im Bereich der Beckensohle in Nord-Süd-Orientierung verlaufenden Erosionsrinne erfasst, die vermutlich den Altverlauf des Gillbaches nebst westlich einfließendem Zufluss kennzeichnet und die natürliche Grenze des Gräberfeldes bildete. Bei den Bestattungen handelt es sich ebenso wie bei den durch die AS Overath untersuchten Befunden ausschließlich um Brandgräber, die durch eine ca. 13 m breite und mit zwei seitlich verlaufenden Gräbchen (St. 7, 14) begrenzte Zone deutlich in zwei Grabgruppen (Grabbezirke?) getrennt waren (Abb. 3-4). Aufgrund des nur begrenzt untersuchten Flächenausschnitts muss die funktionale Deutung der beiden Gräbchen bzw. der bis auf ein Brandgrab befundfreien Zwischenzone zunächst allerdings fraglich bleiben. Einerseits könnte es sich um Einfriedungsgräbchen der einzelnen Grabbezirke handeln, andererseits könnte der weitgehend befundfreie Zwischenbereich den Verlauf einer westöstlich führenden, den Gillbach querenden Straßen-/Wegeführung mit randlichen Straßengräben widerspiegeln. Hierzu ist jedoch anzumerken, dass sich weder im Planum noch im Flächenprofil irgendwelche Spuren einer derartigen Straßentrasse abzeichneten. Bei den Bestattungen handelte es sich um ein Brandgrubengrab, ein Urnengrab (Brandschüttungsgrab), eine Doppelbestattung mit zwei diagonal angeordneten Brandschüttungen und gemeinsamer, mittig angeordneter Beigabennische sowie um acht unterschiedlich reich ausgestattete busta. Chronologisch können die Grabbefunde aufgrund der Beigaben relativ gut drei bzw. vier Belegungsperioden zugeordnet werden. Der frühesten Belegungsphase I lässt sich das zwischen den beiden Grabgruppen und damit im Bereich der befundfreien Zone offensichtlich isoliert liegende Brandgrubengrab (St. 8) zuordnen. Die Grabverfüllung enthielt neben Brandresten lediglich stark zerscherbte Keramikfragmente einer handgeformten Ware, die eine nicht weiter differenzierbare zeitliche Einordnung in die Übergangszeit von der ausgehenden Eisenzeit bis in die frührömische Kaiserzeit ermöglicht. Die nachfolgende Belegungsphase II, der das Urnengrab (St. 15) sowie die Doppelbestattung (St. 4a/b) zugerechnet werden können, datiert ebenso wie das durch die AS Overath untersuchte Urnengrab (St. 4) in die zweite Hälfte des 1. Jahrhunderts. Das Brandschüttungsgrab wies einen Schultertopf als Urne auf. Das Doppelgrab war mit zwei Einhenkelkrügen sowie mit drei Honigtöpfen ausgestattet, von denen zwei mit einem Deckel bzw. einer Schale abgedeckt waren. Unmittelbar unter einem der Honigtöpfe befand sich zudem eine Spiralfibel, die eine differenzierte Datierung in das mittlere Drittel des 1. Jahrhunderts ermöglicht. Mit der nachfolgenden Belegungsphase III a/b, die von der Jahrhundertwende (1./2. Jahrhundert) bis etwa in die Mitte des 2. Jahrhunderts datiert werden kann, scheint sich mit dem Aufkommen von Bustumsgräbern (St. 9, 10, 11, 12, 20, 21, 25) ein grundlegender Wandel der Bestattungsform abzuzeichnen. Die einzelnen busta waren unterschiedlich gut, in der Regel jedoch relativ reich ausgestattet. Die als Primärbeigaben interpretierbaren stark zerscherbten Gefäßfragmente lagen meist unregelmäßig verteilt in der auf der Grabsohle abgelagerten Brandschicht. Als Sekundärbeigaben sind nur wenige vollständig erhaltene Gefäße anzusprechen. Separate Beigabennischen waren lediglich bei drei Gräbern (St. 12, 20, 21) feststellbar. Besondere Erwähnung verdient hierbei das Grab St. 20, dessen Beigabennische offensichtlich nach dem Aushub der Grabgrube, aber noch vor dem eigentlichen Verbrennungsvorgang, seitlich von der Grabgrube aus angelegt wurde und zum Schutz der darin aufgestellten Gefäße mit einer Ziegelplatte (tegula) quasi versiegelt wurde (Abb. 7). Aussagen bezüglich einer geschlechts- bzw. altersspezifischen Ansprache der einzelnen Bestattungen lassen sich nur bedingt treffen. Drei Gräber (St. 4a, 11, 12) sind aufgrund der geringen Befundausmaße bzw. aufgrund geborgener Milchzähne vorbehaltlich als Kindergräber identifizierbar. Das Grab St. 25 lässt sich aufgrund zahlreicher eingelagerter Glasperlen als Frauengrab ansprechen.

In einer zusammenfassenden Beurteilung lassen sich für das Gräberfeld in Rommerskirchen bei bisherigem Kenntnisstand folgende Aussagen treffen: es handelt sich um ein römisches Brandgräberfeld bislang unbekannten Ausmaßes, das in der Zeit vom 1. Jahrhundert bis in die Mitte des 2. Jahrhunderts datiert. Hinsichtlich der topographischen Geländesituation scheint sich die Anlage des Gräberfeldes an dem Altverlauf des Gillbaches als markanter topographischer Landmarke orientiert zu haben. Die Tatsache, dass die im Bereich des Regenrückhaltebeckens angeschnittenen Gräber in zwei durch einen weitgehend befundfreien Bereich getrennten Grabgruppen angeordnet sind, lässt darüber hinaus möglicherweise auf eine ehemalige, den Gillbach vermutlich querende Wege-/Straßenführung schließen. Die Lage des zeitlich ältesten Grabes im Bereich der möglichen Trasse lässt vermuten, dass diese erst im Laufe des 1. Jahrhunderts angelegt wurde. In der Verteilung der übrigen Gräber scheint sich anzudeuten, dass die älteren Befunde der in die 2. Hälfte des 1. Jahrhunderts datierbaren Belegungsphase II südlich, die jüngeren Befunde der Belegungsphase III mehrheitlich nördlich dieser Wegetrasse angelegt wurden. Damit einhergehend ist mit dem Einsetzen der Bustumsbestattungen in der Belegungsphase III ab dem beginnenden 2. Jahrhundert offensichtlich ein grundsätzlicher Wandel im lokalen Bestattungsritus erfasst. Ob mit diesem Gräberfeld ein Bestattungsplatz der nördlich gelegenen Gutshofsanlage oder eines anderen, bisher nicht bekannten Siedlungsplatzes aufgefunden wurde, muss offen bleiben. Die Qualität der Beigaben lässt jedoch an eine relativ wohlhabende Bevölkerungsschicht in der ländlichen Region nordwestlich der Provinzhauptstadt denken.

Literatur:
E. Riha, Kästchen, Truhen, Tische – Möbelstücke aus Augusta Raurica, Forsch. Augst 31 (Augst 2001).

 

 

Abb. 5: Grabensemble Stelle 4. (Foto: M. Hundt)
Abb. 5: Grabensemble Stelle 4. (Foto: M. Hundt)


Abb. 6: Glasflasche mit Wagenrennen-Darstellung. (Foto: A. Thünker DGPh, Bad Münstereifel)
Abb. 6: Glasflasche mit Wagenrennen-Darstellung. (Foto: A. Thünker DGPh, Bad Münstereifel)
Abb. 7: Beigaben Grab Nr. 20 aus dem römischen Gräberfeld in Rommerskirchen-Eckum. (Foto: Th. Ibeling)
Abb. 7: Beigaben Grab Nr. 20 aus dem römischen Gräberfeld in Rommerskirchen-Eckum. (Foto: Th. Ibeling)


Wagenrennen im Zirkus – ein außergewöhnlicher Glaskrug aus Rommerskirchen



Thomas Becker

Dass die Archäologen manchmal auf den Zufall angewiesen sind, zeigt die Entdeckung eines bisher unbekannten Gräberfeldes in Rommerskirchen. Westlich des Gillbaches wurden im Sommers 2003 bei Erdarbeiten für eine neues Regenrückhaltebecken Befunde angeschnitten, die sich als römische Bestattungen herausstellten. Die Gräber zeigten oberflächlich keine Fundstreuung, da sie in nachrömischer Zeit durch abgeschwemmten Löß überdeckt waren. Während einer ersten Notbergung durch die Außenstelle Overath konnten vier Brandgräber untersucht werden, dabei wurde deutlich, daß weitere Gräber vorhanden und durch die fortschreitenden Baumaßnahmen bedroht waren. Bei der folgenden Untersuchung durch die Firma Wurzel Archäologie konnten darüber hinaus zwölf Gräber dokumentiert werden. Die Grenze im Osten des Bestattungsplatzes  am alten Verlauf des Gillbaches konnte ebenso nachgewiesen werden wie die im Norden und Süden. Ein befundleerer Streifen in der Mitte des Bestattungsplatzes ist vielleicht als ehemaliger Straßenverlauf zu interpretieren, zumal dieser Bereich von zwei Gräbchen begrenzt wird. Die Gräber datieren zum großen Teil in die zweite Hälfte des 1. und in die 1. Hälfte des 2. Jahrhunderts n. Chr., woraus lediglich eine Bestattung aus dem frühen 1. Jahrhundert herausfällt. Der Siedlungsplatz, der zu den Gräbern gehörte, lässt sich bisher noch nicht sicher identifizieren. Möglicherweise ist der Friedhof einer 400 m nördlich gelegenen Villa rustica am „Steinbrückerhof" zuzuordnen.

Aus den sechzehn geborgenen Gräbern ragt eine Bestattung deutlich heraus. Diese Urnenbestattung im weiteren Sinne war in einer rechteckigen Grabgrube eingebracht. Als Beigaben fanden sich ein Terra-Sigillata-Teller, ein Einhenkelkrug, ein Glaskrug und die Metallteile eines vergangenen Holzkästchens. Die keramischen Beigaben datieren das Ensemble an das Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. Das Kästchen konnte als Block geborgen und in der Restaurierungswerkstatt des Rheinischen LandesMuseums Bonn vorsichtig freigelegt werden. Es fanden sich ein verbranntes Knochenplättchen und der Leichenbrand einer über sechzigjährigen Frau, wie die erste anthropologische Bestimmung der Knochen ergab. Vom Kästchen haben sich die aus Bronze hergestellten Zierringe ebenso erhalten wie die Schlossfalle und das Schlossblech mit seinen Ziernieten in Löwenkopfform. Der zugehörige Schlüssel lag auf dem Schlüsselloch. Die aus Eisen geschmiedeten Bestandteile des Schlosses waren dagegen fast vollständig vergangen.

Einhenkelkrug aus Weißton, Terra-Sigillata-Teller und Metallteile eines Holzkästchens. (Foto: M. Hundt)
Einhenkelkrug aus Weißton, Terra-Sigillata-Teller und Metallteile eines Holzkästchens. (Foto: M. Hundt)

Die Besonderheit dieses Grabes stellt jedoch das geborgene blass grünbläuliche Glasgefäß dar, das sich durch eine mehrgliedrige Verzierung auf der Wandung auszeichnet. Im mittleren Bereich ist ein Wagenrennen dargestellt, bei dem die Vierspänner, Quadrigen, in einer Folge zu sehen sind. Die Pfeiler zwischen den Wagen machen deutlich, daß das Wagenrennen im Circus Maximus in Rom stattfindet; sie dienten unter anderem als Rundenzähler. Das Siegesfahrzeug ist eindeutig am Siegerkranz in der Hand des Lenkers und an den bereits im Schritt gehenden Pferden zu erkennen. Währenddessen versuchen die übrigen Wagenlenker noch, ihre im Galopp befindlichen Tiere für eine gute Platzierung anzutreiben. Über der Rennszene findet sich eine umlaufende Inschrift, die die Namen der Gespanne (z. B. OLYMPOS) aufführt. Ein Fries aus Hunden, die verschiedene Wildtiere (Hasen, Hirsche) jagen, schließt das Bildfeld nach unten ab.

Solche Zirkusdarstellungen erscheinen gewöhnlich auf Bechern, daher wird diese Gattung als Zirkusbecher bezeichnet. Bei dem Gefäß aus Rommerskirchen handelt es sich allerdings um einen Glaskrug, der folglich als Sonderanfertigung zu betrachten ist. Aus den römischen Provinzen Germaniens gibt es bisher nur noch eine Parallele im südwestdeutschen Raum. Diese Sonderanfertigung wie auch die Deponierung des Leichenbrandes in einem Kästchen hebt die Bestattung aus den übrigen Gräbern in Rommerskirchen (einfache Urnenbestattungen) hervor. Die Frage, ob in dem Kästchen die Asche einer Gutsherrin aus der Villa rustica am „Steinbrückerhof“ bestattet wurde, muß beim gegenwärtigen Stand der Auswertung noch offen bleiben. Die Qualität der Beigaben deutet jedoch auf eine Angehörige einer wohlhabenden Bevölkerungsschicht in der ländlichen Region nordwestlich der Provinzhauptstadt Colonia Claudia Ara Agrippinensium (Köln).

Lit.: Th. Becker / Th. Ibeling, Ein römisches Gräberfeld in Rommerskirchen, Rhein-Kreis Neuss.

Arch. Rheinland 2003, S. 91 ff. – E. Riha, Kästchen, Truhen, Tische – Möbelteile aus Augusta Raurica Forsch. Augst 31 (Augst 2001). – A. B. Follmann-Schulz, Die römischen Gläser aus Bonn. Bonner Jahrb. Beih. 46 (Köln, Bonn 1988) 92 f.

Bericht aus dem Katalog VON ANFANG AN Archäologie in Nordrhein Westfalen Schriften zur Bodendenkmalpflege in Nordrhein-Westfalen Band 8, S. 391 ff.

Glaskrug mit Zirkusdarstellung. (Foto: A. Thünker DGPh, Bad Münstereifel)
Glaskrug mit Zirkusdarstellung. (Foto: A. Thünker DGPh, Bad Münstereifel)

 

 

Glaskrug aus Rommerskirchen-Eckum mit Wagenrennen-Darstellung. (Zeichnung: RAB U. N.)
Glaskrug aus Rommerskirchen-Eckum mit Wagenrennen-Darstellung. (Zeichnung: RAB U. N.)

Besondere Funde aus Rommerskirchen-Eckum



Fragment einer römischen Sonnenuhr aus Rommerskirchen-Eckum. (Foto: M. Hundt)
Fragment einer römischen Sonnenuhr aus Rommerskirchen-Eckum. (Foto: M. Hundt)

Fragment einer römischen Sonnenuhr

In den vergangenen Jahren wurde auf einer Ackerfläche in Eckum ein Fragment einer römischen Sonnenuhr gefunden.

Seit der Kalenderreform Caesars war das Jahr nach dem Sonnenumlauf in zwölf Monate zu 52 Wochen eingeteilt. Jede Woche hatte sieben Tage, nach der Planetenzahl. Jeder Tag war in 24 Stunden aufgeteilt. Die Stunden des bürgerlichen Tages begannen um Mitternacht. Der natürliche Tagesablauf dagegen war in Tag- und Nachtstunden aufgeteilt. Diese hingen vom Sonnenaufgang und Sonnenuntergang ab, waren also je nach Jahreszeit unterschiedlich lang. So gab es zur der Winter- und der Sommersonnenwende unterschiedliche Tagesabläufe.

Rekonstruktionszeichnung einer Sonnenuhr.(aus H. D. Stöver/ M. Gechter, Report aus der Römerzeit, Stuttgart 1989)
Rekonstruktionszeichnung einer Sonnenuhr. (aus H. D. Stöver/ M. Gechter, Report aus der Römerzeit, Stuttgart 1989)

Diese Werte beziehen sich auf Rom, in den Provinzen veränderten sie sich je nach der geographischen Lage des einzelnen Ortes.

Die Zeit wurde mit Sonnen- und Wasseruhren gemessen. Im 2. Jahrhundert waren kleine Reisesonnenuhren sehr begehrt und wurden von den reichen Leuten mit sich geführt. Daneben gab es öffentliche Sonnenuhren, die von den Gemeinden und Städten aufgestellt wurden. Ebenso gab es solche in den wohlhabenden Privathäusern.